Vielleicht hast du es im Film gesehen: jemand trinkt einen Schluck Absinth, starrt ins Leere, und plötzlich ist er in einer anderen Welt. Klingt wie Magie - aber ist es das wirklich? Die Frage, ob Absinth einen schnell betrunken macht, ist einfacher zu beantworten, als viele denken. Es geht nicht um Hexerei. Es geht um Alkohol.
Wie viel Alkohol ist eigentlich in Absinth?
Absinth enthält zwischen 45 % und 74 % Alkohol. Das sind 90 bis 148 Proof - deutlich mehr als Wodka (meist 40 %) oder Gin (meist 37-40 %). Ein typisches Glas Absinth (30 ml) enthält also fast so viel reinen Alkohol wie ein großes Bier oder zwei kleine Schnäpse. Wenn du das pur trinkst, ohne Wasser zu addieren, landet der Alkohol direkt in deinem Blut. Kein Wunder, dass viele das Gefühl haben, schneller betrunken zu werden.
Die Wirkung ist nicht magisch, aber sie ist intensiv. Dein Körper verarbeitet Alkohol mit einer Geschwindigkeit von etwa 0,1 Promille pro Stunde - egal ob du Bier, Wein oder Absinth trinkst. Der Unterschied liegt nur in der Dosis. Ein Glas Absinth bringt dir in Sekunden so viel Alkohol wie drei Gläser Wein. Wenn du das in kurzer Zeit trinkst, steigt dein Promillewert rasant.
Warum fühlt sich Absinth anders an?
Es gibt einen Mythos, der besagt, dass Thujon - ein ätherisches Öl aus Wermut, einer Hauptzutat von Absinth - hallucinogene Wirkungen hat. Das ist falsch. Heutige Absinthe enthalten maximal 10 mg Thujon pro Liter, das ist gesetzlich begrenzt und weit unter der Menge, die überhaupt wirken könnte. Selbst in historischen Rezepturen war die Thujon-Konzentration zu gering, um Halluzinationen auszulösen.
Was du wirklich spürst, ist eine Kombination aus hohem Alkoholgehalt und den Aromen von Wermut, Anis und Fenchel. Diese Kräuter verleihen Absinth eine bitter-süße, komplexe Note, die deinen Gaumen und dein Nervensystem anders anspricht als reiner Wodka. Viele beschreiben das Gefühl als „klarer Rausch“ - weniger verschwommen, dafür intensiver im Kopf. Das liegt nicht an hallucinogenen Stoffen, sondern daran, dass dein Gehirn mit einem hohen Alkoholpegel und starken Aromen gleichzeitig konfrontiert wird.
Die traditionelle Zubereitung verlangsamt die Wirkung
Traditionell wird Absinth nicht pur getrunken. Man gießt ihn in ein Glas, legt einen Zuckerwürfel auf ein perforiertes Löffelchen, und gießt eiskaltes Wasser langsam darüber. Das verdünnt den Alkohol auf etwa 20-30 % - ähnlich wie ein gut gemachter Schnaps mit Wasser. Dadurch wird der Alkohol langsamer aufgenommen, und die Wirkung entfaltet sich sanfter.
Wenn du das nicht machst - wenn du den Absinth pur runterkippst - dann beschleunigst du die Wirkung. Dein Körper hat keine Zeit, den Alkohol zu verarbeiten. Der Geschmack ist extrem scharf, und dein Magen nimmt ihn sofort auf. Das führt zu einem schnellen Anstieg des Blutalkohols. Kein Wunder, dass du dich danach benommen fühlst.
Was passiert, wenn du zu viel trinkst?
Ein Glas Absinth ist kein Problem. Zwei, drei - besonders auf nüchternen Magen - können dich schnell aus dem Gleichgewicht bringen. Die Symptome sind die gleichen wie bei jedem anderen starken Alkohol: Schwindel, Übelkeit, verschwommene Sicht, Koordinationsverlust. Manche berichten von Kopfschmerzen oder einem schweren Kater am nächsten Tag - aber das liegt nicht an „toxischen Kräutern“, sondern an der hohen Alkoholmenge.
Einige Leute behaupten, Absinth verursache spezielle Nebenwirkungen wie „Absinthkrämpfe“ oder „Wermut-Wahn“. Das sind alte Mythen aus dem 19. Jahrhundert, als Absinth oft mit schlechten Zutaten oder sogar giftigen Verunreinigungen hergestellt wurde. Heute wird Absinth streng kontrolliert. In der EU und in Deutschland muss er den gleichen Sicherheitsstandards entsprechen wie jeder andere Spirituosen. Keine versteckten Gifte. Keine verbotenen Substanzen.
Wie schnell wird man betrunken - wirklich?
Es gibt keine magische Formel. Aber hier ist ein realistisches Beispiel:
- Ein Mann (70 kg) trinkt 50 ml Absinth mit 60 % Alkohol - das sind 30 ml reinen Alkohol.
- Das entspricht etwa 2,5 Gläsern Wein oder 3 Bier.
- Bei leerem Magen steigt sein Blutalkoholspiegel in 15-20 Minuten auf 0,6-0,8 Promille.
- Das ist über dem Grenzwert für Autofahren in Deutschland (0,5 Promille).
- Er fühlt sich schwindelig, leicht benommen, vielleicht etwas euphorisch.
Das ist nicht „besonders“ - das ist reine Physiologie. Du bist nicht von einem Zauber betroffen. Du hast einfach zu viel Alkohol auf einmal bekommen.
Wie vermeidest du unangenehme Überraschungen?
Wenn du Absinth probieren willst, ohne gleich ins Koma zu fallen, hier sind drei einfache Regeln:
- Verdünnung ist Pflicht. Trinke ihn nie pur. Immer mit Wasser und Zucker nach traditioneller Art.
- Trinke langsam. Lass dir Zeit. Ein Glas pro Stunde ist ein sicheres Tempo.
- Iss vorher. Ein bisschen Brot, Käse oder Nüsse verlangsamt die Alkoholaufnahme erheblich.
Wenn du das befolgst, erlebst du die feine, kräuterige Note von Absinth - nicht einen Kater, der dich zwei Tage lahmlegt.
Was ist mit historischen Berichten über „Absinth-Rausch“?
Im 19. Jahrhundert war Absinth bei Künstlern und Schriftstellern beliebt - Baudelaire, Verlaine, Oscar Wilde. Viele schrieben von Visionen, Träumen, geistiger Befreiung. Aber damals wurde Absinth oft mit Methanol, Kupfersulfat oder anderen giftigen Zusätzen gestreckt, um die grüne Farbe zu verstärken oder die Haltbarkeit zu erhöhen. Das war kein „Wermut-Rausch“ - das war Vergiftung.
Heute gibt es diese Praktiken nicht mehr. Moderne Absinthe ist ein hochwertiger, legaler Spirituose - mit einem hohen Alkoholgehalt, aber ohne Geheimzutaten. Der Mythos vom „verrücktmachenden Absinth“ ist ein Produkt der Angst, nicht der Wirklichkeit.
Ein letzter Hinweis: Absinth ist kein Getränk für Anfänger
Wenn du noch nie starken Alkohol getrunken hast, ist Absinth keine gute erste Wahl. Selbst ein kleines Glas kann dich überfordern. Beginne lieber mit einem niedrigprozentigen Spirituosen wie Wodka mit Limette oder einem gut gemachten Gin Tonic. Wenn du dich an hohe Alkoholgehalte gewöhnt hast, kannst du Absinth langsam kennenlernen - mit Respekt, mit Wasser, und mit einem klaren Kopf.
Am Ende ist Absinth nicht gefährlicher als jeder andere starke Alkohol. Er ist nur ehrlicher. Er sagt dir direkt: „Ich bin stark.“ Wenn du ihn respektierst, wird er dich nicht betrogen. Wenn du ihn unterschätzt, wirst du es bereuen.
Kann Absinth wirklich Halluzinationen auslösen?
Nein. Moderne Absinthe enthält zu wenig Thujon, um irgendeine psychoaktive Wirkung zu haben. Die angeblichen Halluzinationen stammen aus der Zeit, als Absinth mit giftigen Zusätzen verunreinigt war. Heute ist Absinth sicher und reguliert - die Wirkung kommt allein vom Alkohol.
Ist Absinth legal in Deutschland?
Ja, absolut. Absinth ist seit 2005 in der EU legal, solange der Thujongehalt unter 10 mg/l liegt. In Deutschland wird er wie jeder andere Spirituose verkauft und konsumiert - ohne Einschränkungen.
Warum ist Absinth grün?
Die grüne Farbe kommt von den Kräutern, die nach der Destillation in den Alkohol gegeben werden - vor allem Wermut, Melisse und Anis. Diese geben nicht nur Aroma, sondern auch Farbstoffe ab. Es gibt auch klare Absinthe (la Bleue), die nicht mit Kräutern nachgefärbt werden.
Wie viel Absinth ist sicher zu trinken?
Ein Glas (30-50 ml), verdünnt mit Wasser, ist für die meisten Erwachsenen unbedenklich. Mehr als zwei Gläser in kurzer Zeit führt schnell zu starkem Rausch. Trinke nicht schneller als ein Glas pro Stunde - und immer mit Essen.
Kann man von Absinth abhängig werden?
Ja, wie von jedem hochprozentigen Alkohol. Die Abhängigkeit entsteht nicht durch die Kräuter, sondern durch den Alkohol. Wer regelmäßig große Mengen trinkt, riskiert eine Alkoholabhängigkeit - unabhängig davon, ob es Absinth, Wodka oder Whisky ist.