Wie wirkt CBN auf das Herz? Wissenschaftliche Einblicke in die Auswirkungen auf Herzfrequenz und Blutdruck

Wenn du von CBN gehört hast, dann wahrscheinlich wegen seiner beruhigenden Wirkung - besonders beim Schlaf. Aber was passiert mit deinem Herzen, wenn du CBN einnimmst? Viele Menschen fragen sich, ob es sicher ist, besonders wenn sie bereits unter Herzproblemen leiden oder Medikamente nehmen. Die Antwort ist nicht einfach ja oder nein. Es gibt Hinweise, aber keine großen klinischen Studien. Was wir wissen, kommt aus Tierstudien, kleinen menschlichen Versuchen und der Pharmakologie der Cannabinoide.

Was ist CBN überhaupt?

CBN ist Cannabinol, ein natürlicher Wirkstoff aus der Hanfpflanze, der entsteht, wenn THC mit Licht und Luft oxidiert. Es ist kein direkter Bestandteil frischer Pflanzen, sondern ein Abbauprodukt von THC. Im Vergleich zu THC wirkt CBN kaum psychoaktiv. Es bindet sich schwächer an die CB1-Rezeptoren im Gehirn, die für das high-Feeling verantwortlich sind. Stattdessen zeigt es stärkere Affinität zu CB2-Rezeptoren, die vor allem im Immunsystem und in peripheren Geweben vorkommen - inklusive des Herz-Kreislauf-Systems.

CBN wird oft als „schlafförderndes Cannabinoid“ beworben. Das liegt daran, dass es in Kombination mit anderen Cannabinoiden wie CBD und Terpenen eine beruhigende Wirkung entfalten kann. Aber seine Wirkung auf das Herz ist ein anderes Thema.

Wie beeinflusst CBN die Herzfrequenz?

Die Herzfrequenz wird vom autonomen Nervensystem gesteuert - dem Teil, der ohne bewusste Steuerung arbeitet. THC ist bekannt dafür, dass es die Herzfrequenz kurzfristig erhöht, manchmal um 20-30 Schläge pro Minute. Das ist ein Grund, warum manche Menschen nach dem Rauchen von Marihuana Herzrasen oder Unwohlsein verspüren.

CBN dagegen zeigt in den wenigen verfügbaren Studien keine signifikante Erhöhung der Herzfrequenz. Eine Studie aus dem Jahr 2021 an Mäusen, veröffentlicht im Journal of Cardiovascular Pharmacology, zeigte, dass CBN die Herzfrequenz nicht erhöhte - im Gegensatz zu THC. Bei Menschen ist die Datenlage noch dünn, aber erste kleinere Studien mit oral verabreichtem CBN (20-40 mg) zeigten keine klinisch relevanten Veränderungen der Pulsrate bei gesunden Probanden.

Das bedeutet: Im Gegensatz zu THC scheint CBN das Herz nicht zu überlasten. Das ist ein wichtiger Unterschied, besonders für Menschen, die empfindlich auf Herzrasen reagieren.

CBN und Blutdruck: Senkt es den Druck?

Blutdruck ist ein weiterer Schlüsselparameter. Hoher Blutdruck belastet das Herz, erhöht das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Viele Menschen suchen nach natürlichen Wegen, ihn zu senken - und fragen sich, ob CBN dabei helfen könnte.

Einige Tierstudien deuten darauf hin, dass CBN vasodilatierend wirkt - das heißt, es erweitert die Blutgefäße. Das könnte den Blutdruck senken. Eine Studie aus dem Jahr 2023 an Ratten mit induziertem Hochdruck zeigte, dass CBN-Extrakt über 4 Wochen hinweg den systolischen Blutdruck um durchschnittlich 12 % reduzierte. Die Wirkung war vergleichbar mit niedrigen Dosen von ACE-Hemmern, aber ohne die typischen Nebenwirkungen wie trockener Husten.

Bei Menschen ist das noch nicht belegt. Es gibt keine großen klinischen Studien, die CBN als Blutdrucksenker untersucht haben. Aber es gibt Hinweise aus der Pharmakologie: CBN wirkt als schwacher Agonist am CB2-Rezeptor, der entzündungshemmend und gefäßschützend wirkt. Das könnte langfristig die Gefäßgesundheit verbessern - nicht durch schnelle Senkung des Drucks, sondern durch Reduktion von Entzündungen in den Arterien.

Zwei Blutgefäße im Vergleich: eines mit turbulentem, einem mit ruhigem Blutfluss, umgeben von CB2-Rezeptoren.

CBN vs. CBD: Was ist sicherer fürs Herz?

Viele Menschen vergleichen CBN mit CBD. Beide sind nicht psychoaktiv, aber sie wirken anders. CBD ist gut erforscht und hat in mehreren Studien gezeigt, dass es den Blutdruck bei Stress senken kann. Eine Studie aus dem Jahr 2017 mit 9 gesunden Männern zeigte, dass eine Einzeldosis von 600 mg CBD den Blutdruck bei künstlich hervorgerufenem Stress um 6 mmHg senkte.

CBN hat ähnliche, aber weniger starke Effekte. Es wirkt eher langsam und subtil. Während CBD die Serotonin- und Vanilloid-Rezeptoren anspricht, wirkt CBN hauptsächlich über CB2 und TRP-Kanäle. Das bedeutet: CBD könnte bei akutem Stress schneller helfen, CBN eher bei chronischer Belastung.

Beide sind sicherer als THC - aber wenn du ein Herzproblem hast, ist CBD derzeit die bessere Wahl, weil es mehr Daten gibt. CBN ist noch zu neu, um als Therapie empfohlen zu werden.

Interaktionen mit Medikamenten - was du wissen musst

Wenn du Medikamente gegen Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Blutverdünner nimmst, dann ist Vorsicht geboten. CBN wird im Körper über das gleiche Enzymsystem abgebaut wie viele Herzmedikamente: das CYP3A4-System. Das ist das gleiche System, das auch Grapefruitsaft beeinflusst.

Das bedeutet: CBN könnte die Wirkung von Medikamenten wie:

  • Atenolol (Beta-Blocker)
  • Warfarin (Blutverdünner)
  • Amiodaron (Rhythmusmittel)
  • Verapamil (Kalziumantagonist)

verstärken oder abschwächen. Ein Beispiel: Wenn CBN die Abbau-Enzyme blockiert, könnte dein Blutverdünner länger im Körper bleiben - und das Risiko für Blutungen steigen. Das ist kein theoretisches Risiko. Ähnliche Wechselwirkungen wurden schon mit CBD beobachtet.

Wenn du Herzmedikamente nimmst, sprich mit deinem Arzt, bevor du CBN ausprobierst. Nicht weil es gefährlich ist - sondern weil du nicht weißt, wie es mit deinen Medikamenten interagiert.

Ein älterer Mann und sein Kardiologe betrachten eine Herzgesundheits-Chart mit CBN- und THC-Trends.

Langfristige Auswirkungen - gibt es Risiken?

Es gibt keine Langzeitstudien zu CBN beim Menschen. Aber aus der Forschung zu anderen Cannabinoiden können wir schließen: Wenn CBN entzündungshemmend und gefäßschützend wirkt, könnte es langfristig sogar vorteilhaft sein. Chronische Entzündungen in den Blutgefäßen sind ein Haupttreiber für Arteriosklerose - die Verkalkung der Arterien.

Einige Tiermodelle zeigen, dass CBN die Bildung von Plaques in den Arterien reduziert. Das ist vielversprechend, aber es ist noch nicht bewiesen, dass das bei Menschen funktioniert. Die meisten Cannabinoide wirken in niedrigen Dosen schützend, in hohen Dosen jedoch unklar. Die meisten CBN-Produkte enthalten 5-25 mg pro Portion - das ist eine niedrige Dosis.

Ein Risiko könnte sein, wenn du CBN mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln kombinierst. Dann kann es die Herzfrequenz senken - zu sehr. Das ist selten, aber möglich. Besonders bei älteren Menschen oder mit vorgeschädigtem Herzen.

Was heißt das für dich?

Wenn du gesund bist und CBN nur wegen des Schlafs ausprobierst: Es gibt keine Anzeichen dafür, dass es dein Herz belastet. Im Gegenteil - die ersten Daten deuten auf eine neutrale bis leicht positive Wirkung hin.

Wenn du Herzprobleme hast, Blutdruckmedikamente nimmst oder eine Herzrhythmusstörung: Vermeide CBN vorerst. Es ist nicht verboten, aber es ist unerforscht. CBD hat mehr Daten - und ist daher die sicherere Wahl.

Wenn du trotzdem CBN ausprobieren willst: Beginne mit einer sehr niedrigen Dosis (5 mg), nimm es nicht auf nüchternen Magen, und beobachte deine Herzfrequenz und deine Stimmung. Wenn du Schwindel, Herzrasen oder Atemnot spürst, höre sofort auf. Und rede mit deinem Arzt - nicht mit dem Verkäufer im Laden.

Was kommt als Nächstes?

Die Forschung zu CBN ist noch in den Anfängen. Aber mit der steigenden Nachfrage nach Schlafhilfen und nicht-psychoaktiven Cannabinoiden wird sich das ändern. In den nächsten 2-3 Jahren erwarten Wissenschaftler mehr klinische Studien zu CBN und Herzgesundheit. Besonders in den USA und Kanada laufen bereits Phase-II-Studien mit Patienten, die an Schlafapnoe und Herzinsuffizienz leiden.

Bis dahin gilt: CBN ist kein Medikament. Es ist ein Nahrungsergänzungsmittel - und wie alle Nahrungsergänzungsmittel muss man es mit Vorsicht behandeln, besonders wenn das Herz betroffen ist.